
Glockenmuseum Herrenberg, Bauernkrieg und Kloster Blaubeuren
Auf einer Kulturfahrt wurde nach den Verbindungen mit Weißenau gesucht
Auf einer Kulturfahrt, angeboten vom Kulturkreis Eschach und vom Christlichen Familienkreis Weißenau, wurden viele Verbindungen mit dem Münster Weißenau offensichtlich. Hier wird derzeit das Geläute saniert und erweitert. Im Glockenmuseum Herrenberg konnte man erleben, wie sich die Glocke zu einem vollkommenen Musikinstrument entwickelte. Zunächst eher wie ein Blecheimer klingend, haben es die mittelalterlichen Glockengießer verstanden, wohlklingende Instrumente herzustellen, die bis heute klanglich fast unerreicht sind. Erst in den letzten Jahrzehnten konnte man wieder an die Gießkunst des Mittelalters anknüpfen. Drei neue Glocken für das Münster Weißenau wurden in mittelalterlicher Manier kürzlich gegossen. Beeindruckend war der mächtige Klang einer Glocke, der man in der riesigen Glockenstube beim Läuten zusehen konnte. Die Glockenstube in Herrenberg beherbergt das zahlenmäßig größte Geläut Europas. Darüber hinaus beeindruckte das dortige Carillon oder Glockenspiel mit allein 50 Glocken. Leicht hätte ein Glockenspiel auf den Weißenauer Kirchtürmen Platz. Die Herrenberger Stiftskirche birgt auch herausragende Kunst. Der großartige Altar von Jörg Ratgeb steht heute allerdings im Landesmuseum Stuttgart. Weil er sich im Bauernkrieg 1525 für das Anliegen der Bauern einsetzte, wurde Ratgeb des Hochverrats angeklagt und bei lebendigem Leib geviertelt. Stefan Rahl, dem Weißenauer Bauernführer, erging es besser. Er schloss mit dem Weißenauer Abt Jakob Murer sogar einen für ihn günstigen Vertrag und sein Name hat sich bis heute im Weißenauer „Rahlenschlösschen“ erhalten. Die heutige Klosteranlage Blaubeuren ähnelt der Weißenaus bis zum vollständigen barocken Neubau vor dreihundert Jahren. Der kostbarste Schatz der Blaubeurer Kirche ist der Hochaltar, in dessen Mitte die hoheitsvolle Madonna herausgehoben ist. Sie wurde kurz vor dem Jahr 1500 von Michel Erhard in Ulm geschnitzt. Die Weißenauer Madonna sieht ihr zum Verwechseln ähnlich. Sie stammt vom selben Schnitzer. Sie ist von außerordentlicher Schönheit und wurde als einzige Skulptur in die neue barocke Klosterkirche übernommen. Heute steht sie in einem barocken Altar. Die Ausstattung der alten Weißenauer Klosterkirche, von der wir sonst nichts wissen, muss also qualitätvoll gewesen sein. Die Reiseleitung lag in den Händen von Bernd Bergemann und Dr. Ulrich Höflacher, die auch die Reiseziele vorbereiteten und auf der Fahrt Wissenswertes zu Land und Leuten zu berichten wussten. Eine ebenso lehrreiche, wie abwechslungsreiche Tour fand dann ihren Abschluss für die 46 Teilnehmer in der fabelhaften Sportgaststätte Riningen bei Kaffee und super Kuchen!
Foto: Vor der Stiftskirche Herrenberg, die im mächtigen Glockenturm das Glockenmuseum beherbergt.